Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat neue Referenzwerte für das „Sonnenschein-Vitamin“ veröffentlicht. Wie Sie den Bedarf am besten decken
Vitamin D ist derzeit in aller Munde – kein Wunder, gibt es doch immer mehr wissenschaftliche Hinweise darauf, dass das Vitamin, eigentlich eine Hormon-Vorstufe, wichtig zur Vorbeugung zahlreicher Erkrankungen ist. Danach kann eine gute Vitamin D-Versorgung bei älteren Menschen das Risiko für Stürze, Knochenbrüche, Kraftverlust, Mobilität und Gleichgewicht sowie vorzeitigen Tod senken. Vitamin D hilft dem Körper, Kalzium aufzunehmen und trägt maßgeblich zur Knochenstärkung bei. Ein Mangel an Vitamin D steht bei Kindern im Zusammenhang mit einer Verbiegung der Knochen (Rachitis), Knochenbrüchen bei Erwachsenen sowie Störungen der Muskelfunktion wie Muskelschmerzen und -schwäche oder Koordinationsstörungen.
Allerdings sind etwa 60 Prozent aller Deutschen mit Vitamin D unterversorgt. Bei ihnen liegt der Marker für die Vitamin D-Konzentration im Blut, das 25-Hydroxyvitamin D, unter 50 Nanomol pro Liter. Um diesen Wert zu erreichen, hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Bonn jetzt neue und höhere Referenzwerte für die Vitamin D-Zufuhr unter Annahme einer fehlenden körpereigenen Bildung veröffentlicht:
- Säuglinge (0 bis 11 Monate): 10 Mikrogramm/Tag
- Kinder (1 bis unter 15 Jahre): 20 µg/Tag
- Jugendliche und Erwachsene (15 bis 64 Jahre): 20µg/Tag
- Erwachsene ab 65 Jahre: 20 µg/Tag
- Schwangere und Stillende: 20 µg/Tag
Zwar enthalten bestimmte Lebensmittel wie fettreicher Fisch (Lachs, Makrele, Sardinen, Aal) oder angereicherte Lebensmittel (Milch, Margarine, Getreideflocken) Vitamin D. Doch im Durchschnitt nehmen wir über die übliche Ernährung nur 2 bis 4 µg Vitamin D pro Tag auf. Die Differenz müssen wir über die Vitamin D-Bildung in der Haut und/oder über die Einnahme eines Vitamin D-Präparates decken.
UV-Licht: Vitamin D wird unter dem Einfluss von UVB-Strahlen, die im Sonnenlicht im Sommer enthalten sind, in der Haut gebildet. Aus diesem Grund wird es auch als „Sonnenschein-Vitamin“ bezeichnet. Nach Angaben des Wiener Präventionsmediziners Dr. Johannes Gutwald genügt es für eine ausreichende Versorgung schon, seine Hände, Arme oder Gesicht zwei- bis dreimal pro Woche für 15 Minuten direktem Sonnenlicht auszusetzen. Sonnenschutzmittel blockieren allerdings UVB-Strahlen, die über die Haut die Vitamin D-Produktion anregen. Doch Vorsicht: Länger als zehn bis 20 Minuten sollte man sich nicht ungeschützt der Sonne aussetzen, da sonst die Gefahr von Hautalterung oder Hautkrebs steigt.
Vitamin D-Präparate: Ein Vitamin D-Präparat (Kapseln oder Tropfen) ist sinnvoll für Personen, die sich kaum oder gar nicht bzw. nur vollständig bekleidet im Freien aufhalten oder für Personen mit dunkler Hautfarbe. Dies gilt auch für Menschen ab 65 Jahren, da die Vitamin D-Bildung im Alter deutlich abnimmt. Experten empfehlen in der Regel 1.000 Einheiten am Tag. Säuglinge benötigen für einen gesunden Knochenaufbau eben-falls viel Vitamin D. Sie sollten daher zusätzlich zur Muttermilch oder Säuglingsnahrung täglich 400-500 Internationale Einheiten (IE) erhalten. Wichtig: Vitamin D-Präparate nicht ohne ärztlichen Rat einnehmen, da eine Überdosierung zu Kalziumablagerungen in Herz, Lunge, Nieren und Gefäßen führen kann.
Erscheinungsdatum: 27.01.2012
Ausgabe: MM-02-12
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